Warum findet vielerorts der Generationenwechsel nicht statt?

Welche psychologische Hemmfaktoren sind zu beachten?

Wie kann das Alpha-Syndrom reduziert werden?

Die Natur regelt Nachfolgefragen nach eigenen Gesetzmässigkeiten. In vielen Tiergattungen beherrscht ein starkes, älteres und erfahrenes Tier das Rudel. Dieses Alpha-Tier hat und nimmt sich alle Rechte. Es frisst zuerst die besten Stücke einer Beute, hat allein den Anspruch auf Paarungen und erkämpft sich stets den Respekt aller Rudelmitglieder.

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Freiwillig gibt das Alpha-Tier seine Position nicht ab. Es bleibt der Rudelführer, bis ein Rivale es besiegt. Dann hat es sein Gesicht verloren und seine Regentschaft ist vorbei, es hat ausgedient. Meistens folgen der Ausstoss aus dem Rudel und der Tod.

Unternehmer-Nachfolge und die eisernen Gesetze der Natur

Der Mensch wird wie ein Tier von Trieben gesteuert. Unser Instinktverhalten ist geprägt aus unserer Vorzeit als Höhlenbewohner. Bei Männern stehen auf der Werteskala Prestige, Macht und Besitz hoch im Kurs. Der Mann ist tapfer und zeigt keine Schwächen. Er ist „Herr der Lage“ und hat Angst, ein Versager zu sein. All dies ist in seinem Hirn tief verankert.

Der Mensch unterscheidet sich vom Tier durch seinen Verstand und seinen freien Willen. Er kann seine Lebensprioritäten aktiv gestalten und den Zeitpunkt seines Abtretens frei wählen. Ohne das Gesicht zu verlieren.

Der Mensch ist mehr als nur Gewohnheitstier, geprägt durch die Naturgesetze. Er ist auch Denktier, in der Lage, traditionelle Verhaltensmuster zu durchbrechen. Er kann seinen Willen in die Realität umsetzen. Anders als in der Natur – das Alpha-Tier wird durch Dritte zum Rücktritt gezwungen und ist dann ein „Verstossener“ – kann der Mensch das eigene Leben und die Stossrichtungen in den jeweiligen Lebensabschnitten frei gestalten.

Das Alpha-Syndrom und die Unternehmer-Nachfolge

Seit über 50'000 Jahren sind Körper und Gehirn des Menschen biologisch nahezu unverändert geblieben. Zwar haben sich Intellekt und Gefühlswelt stark entwickelt, dennoch wird unser Verhalten stark von archaischen Prägungen beeinflusst.

So wie in jedem Hund verborgene Verhaltensmuster eines Wolfes stecken, die durch Zucht und Erziehung verdeckt werden, so sind auch bei uns Menschen Tendenzen vorhanden, die bis auf die biologischen Grundlagen unseres Menschseins zurückzuführen sind.

Das Alpha-Syndrom verkörpert die Summe der Hemmfaktoren, die eine rationale Gestaltung der Unternehmer-Nachfolge verunmöglichen.

Die Dominanz-Falle versteift und verknöchert

Der Unternehmer steht an der Spitze einer Organisation. Er hat gelernt zu entscheiden und geht mutig neue Wege. Pioniere sind beseelt durch Visionen, die realisiert werden. Damit hat er Erfahrung, hier ist er in seinem Element.

Häufig sind Unternehmen und Unternehmer eine Einheit. Der Unternehmer lebt für die Firma, sie bildet seinen Lebensraum. Beide Schicksale sind eng miteinander verknüpft. Doch was, wenn der Spitzenunternehmer nicht mehr Spitzenleistungen erbringt? Wenn das Älterwerden sich bemerkbar macht, wenn das Gedächtnis nachlässt? Und der Unternehmer nicht mehr „in-tune“ ist.

Die Dominanz-Falle verhindert den offenen und ehrlichen Dialog. Da im persönlichen Verhaltensmuster „Kommandieren vor dem Kommunizieren“ kommt, findet kein echter Austausch statt. Und so stagniert das Meinungsspektrum des Unternehmenseigners. Da er immer Recht bekommt, glaubt er sich immer im Recht.

Die Planung der eigenen Nachfolge ist schwierig. Hier fehlen dem Inhaber sowohl die individuelle Erfahrung als auch geeignete, persönliche Gesprächspartner: die Vertrauten.

Spitzensportler haben eine berufliche Neuorientierung meist schon in jungen Jahren zu meistern. Eine Martina Hingis oder ein Niki Lauda, ein Bernhard Russi oder eine Annemarie Moser-Pröll. Sie mussten ihr Anderssein in der „Post-Sport-Phase“ bewusst gestalten.

Der Generationenwechsel bewirkt für den Unternehmer ein Versetzen in den Ruhestand. Ruhestellung und kein Ziel vor den Augen haben, dies sind für den Unternehmer jedoch kaum vorstellbare Zustände. Er wird immer etwas tun wollen...

Und dennoch: Mit Herauszögern, Verdrängen und Abwarten ist der Sache nicht gedient. Oft werden Unternehmenswerte zerstört, denn eine solche „Hängepartie“ wird auch innerhalb und ausserhalb des Unternehmens mit Argwohn verfolgt. Sehr gut qualifizierte Mitarbeiter veranlasst diese Unsicherheit zu einem Stellenwechsel: Sie verlieren Geduld und Vertrauen. Dieser Know how-Abfluss ist für das Unternehmen sehr schädlich.

Reparieren und Kurieren ist immer „second best“

Durch das Alpha-Syndrom, durch externe Zwänge oder durch familieninterne bzw. gesundheitlich bedingte Notsituationen verunmöglichte unternehmerische Generationenwechsel sind für alle Beteiligten sehr unbefriedigend. Die Unternehmer-Nachfolge wird erst geregelt, wenn es dazu eigentlich schon zu spät ist. Ohne den benötigten gedanklichen und zeitlichen Vorlauf.

Lässt sich der Leaderwechsel nicht mehr proaktiv gestalten, fehlt die Zeit für die Durchsetzung optimaler Konzepte. Die Chance, harmonische Lösungen zu realisieren, ist verspielt. Andere Personen übernehmen die Verantwortung. Analog zum Naturgesetz werden stärkere Personen das Ausscheiden des Unternehmers regeln: ein Konkursbeamter, ein Familienmitglied, ein Verwaltungsrat oder gar ein Konkurrent, der die Schwächephase der Firma konsequent nutzt.

Der Unternehmer mit dem Rücken an der Wand muss vordergründige Lösungen akzeptieren und improvisieren. Oft wird vergessen, dass rechtliche Vorschriften Umgründungen und die Ausschöpfung entsprechender Steuervorteile nur erlauben, wenn beispielsweise eine „Ruheperiode“ von über 5 Jahren beachtet wird.

Fragen? Mehr Details erfahren Sie im persönlichen Gespräch mit Dr. Leonhard Fopp.

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